Recording-Tipp: Overheads mit 8er-Charakteristik

24.10.2017

 

Habt ihr schonmal Bändchenmikrofone, oder im allgemeinen Mikrofone mit einer 8er Charakteristik als Drum-Overheads probiert? Solltet ihr mal machen! Besonders bei Live-Aufnahmen mit der ganzen Band in einem Raum.

Das Problem kennt jeder, der schon einmal eine Band live, zusammen in einem Raum aufgenommen hat: Die Amps sind laut, der Sänger schreit sich die Seele aus dem Leib und alles ist irgendwie auf allen Mikrofonen zu hören. Das kann zwar durchaus einen Teil des besonderen Vibes einer Live-Aufnahme ausmachen, allerdings versucht man in der Regel doch, das Übersprechen gering zu halten, um mehr Freiheiten bei der klanglichen Gestaltung der einzelnen Sounds zu haben. Besonders bei Mikrofonen, die mit etwas Abstand auf die Quelle ausgerichtet sind, wie z.B. den Overheads über den Drums, ist das mitunter schwierig. Eine richtig gut funktionierende Lösung dafür ist, Mikrofone mit 8er Charakteristik einzusetzen! Diese haben ihre maximale Ausblendung zu den „Seiten“ hin (90° zur Membran in alle Richtungen) und sind direkt von vorne und von hinten besprochen am empfindlichsten. Bei der gängigen Nierencharakteristik liegt die maximale Ausblendung hinten, bei 180°, während die Empfindlichkeit seitlich bis schräg nach hinten noch relativ hoch ist. Wenn man also die 8er Mikrofone so auf die Drums ausrichtet, dass die „Seiten“ (90° zur Mebran) in Richtung des Raumes, also der restlichen Instrumente zeigen, kann man eine sehr gute Ausblendung eben dieser erreichen, was mit einer Niere kaum möglich wäre.

Man kann diese Eigenschaft auch nutzen, um bei reinen Schlagzeugaufnahmen ein sehr breites und differenziertes Stereobild zu erreichen, indem man die beiden Overheads als spaced pair so ausrichtet, dass die „Seite“ (90° zur Membran) zur jeweils gegenüberliegenden Hälfte des Drumkits zeigt und diese so maximal ausblendet. Wenn man möchte, kann man also die Hi-Hats aus dem einen und das Ride aus dem anderen Mikrofon relativ gut raushalten und auch bei den Toms einen sehr breiten Stereoeindruck erzeugen.

Ich benutze für diesen Zweck am liebsten Bändchenmikrofone, weil ich deren klangliche Eigenschaften sehr gerne mag, man kann aber genauso gut Kondensatormikrofone mit 8er-Kapseln verwenden. Etwas aufpassen muss man allerdings, was die Beschaffenheit der Decke des Raumes betrifft. Da die 8er-Charakteristik nach hinten (180°) ebenso empfindlich ist, wie nach vorne, fängt man auch die Reflexionen von der Decke stark mit ein. Es ist also für einen direkten, klaren Overhead- und Beckensound ratsam, über den Drums Absorber anzubringen. Je niedriger der Raum ist, desto wichtiger ist dieser Faktor. Außerdem ist der Nahbesprechungseffekt bei 8er-Charakteristiken in der Regel größer, d.h. je näher die Mikrofone an den Drums sind, desto mehr werden Tiefmitten und Bässe betont.

Viel Spaß beim ausprobieren!

 

Hier noch ein Audiobeispiel. Ihr hört die reinen, unbearbeiteten Stereo-Overheads, ohne alles andere. Auffällig ist das geringe Übersprechen der wirklich lauten Gitarren- und Bass-Amps, die im selben Raum standen, sowie der warme, volle Klang dieser Mikrofone. Aufgenommen mit sE-Electronics „VR1 Voodoo“ Bändchenmikrofonen: